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DLRG Hessen gibt Tipps für kalte Tage

Veröffentlicht: 07.01.2017
Autor: DLRG LV Hessen
Pressemitteilung DLRG LV Hessen

„Die Tragfähigkeit unserer Eisflächen kann höchst unterschiedlich sein!“ erklärt Thorsten Reus, Präsident der DLRG Hessen.

Rekordkälte in Hessen sorgt für traumhafte Winterlandschaften und lässt Teiche, Seen und Flüsse nach und nach zufrieren. Höchste Zeit, die Schlittschuhe aus dem Keller zu holen und ein paar Runden auf dem nahegelegenen See zu drehen. Doch Wasser hat nicht nur im Sommer keine Balken. „Die Tragfähigkeit unserer Eisflächen kann höchst unterschiedlich sein!“ erklärt Thorsten Reus, Präsident der DLRG Hessen. Die Lebensretter empfehlen eine Eisdicke von 15 cm für Seen und Teiche, 20 cm für Flüsse und Bäche, bevor man sie zum Spaziergang oder zu Spiel und Spaß betritt.

Nachmessen kann man das Eis nicht, man sollte sich vor Ort bei verantwortlichen Stellen in den Rathäusern oder im Internetangebot der Seebetreiber informieren und aufgestellte Schilder „Betreten der Eisfläche verboten“ unbedingt beachten. Folgende Faktoren haben Einflüsse auf die Tragfähigkeit einer Eisfläche:

  • Pflanzenbewuchs kann für aufsteigende Luftbläschen sorgen, die im Eis eingeschlossen werden und die Oberfläche porös machen.
  • In der unmittelbaren Nähe von Einbauten (Bootsstege, Rutschbahnen, Treppen, Böschungen, Steine, Brückenpfeiler) ist das Eis meist dünner.
  • Zuflüsse (auch Rinnsale!) in einen Teich oder See unterspülen die Eisfläche und verdünnen die Eisschicht.

Knackt es verdächtig unter den Schuhen sollte man

  • sich zunächst in Richtung Ufer wenden,  möglichst ruhig und flach auf den Bauch legen, um das Gewicht großflächig zu verteilen,
  • langsam Richtung Ufer robben
  • und sich weit genug vom „Ereignispunkt“ entfernen.

Ist man bereits im Eis eingebrochen

  • ruft man zunächst laut um Hilfe,
  • dreht sich in Richtung Ufer und
  • versucht dann langsam über die Bruchkante bäuchlings auf die Eisfläche zu klettern.

Müssen Sie jemanden zu Hilfe eilen, sollten Sie auf jeden Fall aufpassen, sich nicht selbst in Einbruchgefahr zu begeben. Gehen Sie wie folgt vor:

  • Nehmen Sie Ihr Handy, wählen Sie die Notrufnummer 112 und setzen Sie in besonnen den Notruf ab. Aus Eisgefahren gerettete Menschen benötigen im Anschluss unbedingt medizinische Hilfe (Unterkühlung, ggf. Bewusstlosigkeit oder gar Herz-Kreislauf-Stillstand sind auch Minuten oder Stunden nach dem Unfall noch möglich).
  • Nehmen Sie Kontakt mit dem Verletzten auf (lautes Rufen), er soll warten bis Sie in seiner Nähe sind und Kraft sparen für die gemeinsame Rettung.
  • Ergreifen Sie einen Gegenstand (Dachlatte, längeres Seil, umgedrehten Schlitten oder Ihre Jacke), 
  • robben Sie bäuchlings langsam und vorsichtig in Richtung der Einbruchstelle,
  • reichen Sie dem Eingebrochenen vorsichtig und in ausreichender Entfernung den Gegenstand, so kann er sich festhalten.
  • Versuchen Sie, die Kletterversuche des Eingebrochenen durch vorsichtige Zugbewegungen zu unterstützen.
  • Springen Sie selbst keinesfalls ins Wasser, tauchen Sie niemals unter die Eisfläche!

Ist der Verletzte am Ufer,

  • legen Sie ihn auf eine trockene Unterlage (Jacken etc.) und decken Sie ihn nach Möglichkeit zu (Rettungsfolien aus dem Verbandkasten eignen sich hervorragend), 
  • überprüfen Sie regelmäßig die Ansprechbarkeit, Atmung und ggf. den Puls.
  • Geben Sie keinen Alkohol, Kaffee oder schwarzen Tee (die Blutgefäße werden weitgestellt, das eiskalte Blut aus Armen und Beinen läuft dann ins Körperinnere und kann Herz und Kreislauf noch stärker belasten).
  • Sorgen Sie dafür, dass Rettungskräfte schnell den Einsatzort erreichen.

„Das sind eigentlich nur wenige, aber nützliche Verhaltensregeln für den Notfall“, erläutert Thorsten Reus. Im Internet hat die DLRG unter https://www.dlrg.de/informieren/regeln/eisregeln.html die wichtigsten Eisregeln, ähnlich der Baderegeln für den Sommer, bereits zusammengefasst und mit Piktogrammen dargestellt. Hilfreich sind auch die Übersetzungen in mehr als 10 Sprachen, darunter auch türkisch, arabisch und Dari, so sind diese Regeln auch den Menschen zugänglich, die in ihren Heimatländern bislang keine Erfahrungen mit gefrorenen Eisflächen gemacht haben. Unter den 24 Ertrinkungstoten des Jahres 2015 (die Zahlen des vergangenen Jahres liegen noch nicht vor) in Hessen waren übrigens „nur“ 6 Menschen, die in den Wintermonaten ertrunken sind. Laut Thorsten Reus ertrinkt erfahrungsgemäß etwa jedes vierte Ertrinkungsopfer zwischen November und April, allerdings sind die wenigsten dieser Fälle klassische Eisunfälle. Sportler in bzw. auf den in den Wintermonaten Hochwasser führenden Flüssen erleiden bedeutend häufiger schwere Unfälle. „Wir hoffen, dass viele Menschen in Hessen dieses wunderschöne Winterwetter an der frischen Luft genießen, auch beim Spaziergang, beim Eisstockschießen oder Eislaufen auf unseren Seen und Flüssen - und wünschen Ihnen dabei viel Spaß, ganz sicher!“ freut sich auch Thorsten Reus über die kalten Tage. Mehr unter www.hessen.dlrg.de.

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